Programm ’18 / Volksfronten

Rossella Biscotti & Kevin van Braak

The Standing Wave (2018)

Installation
Rossella Biscotti & Kevin van Braak, The Standing Wave, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Nicolas Galani
Rossella Biscotti & Kevin van Braak, The Standing Wave, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Nicolas Galani
Rossella Biscotti & Kevin van Braak, The Standing Wave, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Nicolas Galani
Rossella Biscotti & Kevin van Braak, The Standing Wave, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Nicolas Galani
 
Rossella Biscotti & Kevin van Braak, The Standing Wave, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Nicolas Galani
Rossella Biscotti & Kevin van Braak, The Standing Wave, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Nicolas Galani
 
Rossella Biscotti & Kevin van Braak, The Standing Wave, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Nicolas Galani
Rossella Biscotti & Kevin van Braak, The Standing Wave, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Nicolas Galani
 
Rossella Biscotti & Kevin van Braak, The Standing Wave, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Nicolas Galani
Rossella Biscotti & Kevin van Braak, The Standing Wave, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Nicolas Galani
 

In Österreich wurden und werden Faschismus und Moderne oft noch als antagonistische Kräfte dargestellt. Besonders gilt dies im Feld der Architektur, auf welchem nationalistische und nationalsozialistische Vertreter*innen einen pseudoalpinen Heimatschutzstil bevorzugten. Historisch betrachtet lassen sich jedoch viele Mischformen zwischen Moderne und Faschismus nachweisen, vor allem in Italien, wo die modernistische Architektur massive staatliche Förderung erhielt und eine wesentliche Rolle bei der Verkörperung und Vermittlung faschistischer Ideale spielte. Mit ihrem Beitrag zum steirischen herbst – der bislang jüngsten Installation zu ihrer laufenden Forschung über die Ambivalenzen faschistisch inspirierter Architektur – heben Rossella Biscotti und Kevin van Braak diese in Österreich bis heute nicht anerkannte Hybridität hervor. Ihr Projekt erinnert an die formale und architektonische Sprache der Colonie Marine, Badeorte, die in den 1920er- bis 30er-Jahren in großer Zahl an den Küsten Italiens errichtet wurden, um mittellosen Kindern und Jugendlichen aus armen Regionen einen Urlaubsaufenthalt zu ermöglichen und sie gleichzeitig ideologisch zu erziehen. Zu dieser Indoktrination gehört auch die Erfahrung der Architektur selbst: futuristische stromlinienförmige Bogen und gesäuberte neoklassische Proportionen erzeugten ein Körpererlebnis, das den faschistischen Ansichten von Lebenskraft, Technik und Gemeinschaftsleben entsprach. In ihrer Installation in Graz verbinden Biscotti und van Braak stilistische Merkmale des Faschismus – Fluchtlinien, Türme, Spiralen – aus verschiedenen Colonie Marine-Ferienlagern und anderen Gebäuden zu frei erfundenen Modellen von Jugendeinrichtungen. Sie spannen dabei einen Bogen von den Launen der architektonischen Moderne zu den Einfriedungen der Schulen und Erziehungsheime. Ihre Installation ist zur Hälfte in ein Brunnenbecken versenkt und erinnert damit an verschiedene Bauvorhaben des faschistischen Italien auf trockengelegten Sümpfen. Sie befindet sich am selben Ort wie Hans Haackes berühmte Rekonstruktion eines neoklassizistischen Obelisken der Nazis von 1988 und nimmt die nicht weniger furchterregende, modernisierende Kehrseite des Faschismus in den Blick.

21.9.–14.10.

Am Eisernen Tor
8010 Graz

Google Maps

Freier Eintritt

In Auftrag gegeben und produziert von steirischer herbst

Mit freundlicher Unterstützung von Mondriaan Fund und dem Italienischen Kulturinstitut Wien im Rahmen von Zeitgenössische Italienische Kunst

Rossella Biscotti (1978, Molfetta, Italien) und Kevin van Braak (1975, Warnsveld, Niederlande) sind einzeln künstlerisch tätig, arbeiten aber auch bereits seit geraumer Zeit zusammen. Grundlage dieser Zusammenarbeit ist ihr geteiltes Interesse an Geschichte, Erinnerung und Architektur. Unter Einsatz von Installation, Fotografie, Bildhauerei und Video nehmen ihre Werke politische und gesellschaftliche Events zum Ausgangspunkt. Biscotti lebt in Rotterdam, Van Braak in Arnhem.

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