Programm ’18 / Volksfronten

Roman Osminkin

Putsch (After D. A. Prigov) (2018)

Performance und Intervention

Roman Osminkin, Putsch (After D.A. Prigov), 2018, Photo: Jasper Kettner
Roman Osminkin, Putsch (After D.A. Prigov), 2018, Performance und Intervention, steirischer herbst, Foto: Jasper Kettner
Roman Osminkin, Putsch (After D.A. Prigov), 2018, Photo: Mathias Völzke
Roman Osminkin, Putsch (After D.A. Prigov), 2018, Performance und Intervention, steirischer herbst, Foto: Mathias Völzke
Roman Osminkin, Putsch (After D.A. Prigov), 2018, Photo: Jasper Kettner
Roman Osminkin, Putsch (After D.A. Prigov), 2018, Performance und Intervention, steirischer herbst, Foto: Jasper Kettner
Roman Osminkin, Putsch (After D.A. Prigov), 2018, Photo: Mathias Völzke
Roman Osminkin, Putsch (After D.A. Prigov), 2018, Performance und Intervention, steirischer herbst, Foto: Mathias Völzke
Roman Osminkin, Putsch (After D.A. Prigov), 2018, Photo: Jasper Kettner
Roman Osminkin, Putsch (After D.A. Prigov), 2018, Performance und Intervention, steirischer herbst, Foto: Jasper Kettner

Als Dichter arbeitet Roman Osminkin mit den monumentalen Schichten staatlicher Ideologien. Die Vorstellungen von Kommunismus, Liberalismus, Religion und Nationalismus haben sich in den Jahren, die ihn besonders geprägt haben, nach dem Ende des Kalten Krieges und zu Beginn einer Phase der Kulturkriege drastisch und unerwartet gewandelt. In diesem Sinne setzt er die Tradition großer russischer konzeptueller Dichter wie Dmitrij Alexandrowitsch Prigov (1940–2007) fort. Wie Prigov ist auch Osminkin Performer und arbeitet zwischen den Bereichen der Musik und des gesprochenen Wortes. Seine neue für den steirischen herbst entstehende Open- Air-Performance findet am Eröffnungsabend statt und adaptiert lose Prigovs Umsturz. Ein Stück für zwei Lautsprecher aus dem Jahr 1990. Osminkins Fassung spielt auf der Grazer Schloßbergstiege, die auch als „Russensteig“ bekannt ist. Vor dem Ersten Weltkrieg war diese Treppe als malerischer Aufstieg auf einen Berg geplant, auf welchem einst eine Renaissance-Festung stand, die von Napoleons Truppen zerstört wurde. Die Bauarbeiten setzten aber erst im Zuge des Kriegs ein und wurden von Pionieren des österreichischen Heeres und russischen Kriegsgefangenen ausgeführt – ohne dass die Treppe dabei irgendeinen militärischen Zweck erfüllte. Eine derartige Verflechtung von Militarismus, Nationalstolz, dem Wunsch nach Unterhaltung und Ablenkung sowie dem Einsatz billiger ausländischer Arbeitskräfte lässt ein nachdrückliches Echo der heutigen politischen Lage anklingen. In Osminkins Arbeit konkurrieren zwei Lautsprecher miteinander. Sie brüllen sich gegenseitig mit sinnlosen politischen Aussagen an, während Performer*innen auf der Treppe Slogans zusammenstellen und wieder auseinandernehmen, ideologische Vorstellungen in Worte und Buchstaben zerlegen. Das Publikum nimmt währenddessen die Rolle einer demonstrierenden Menge in einer unsichtbaren Kundgebung ein. Ein Undercover-Chor, der sich am Schloßbergplatz unter die Menge mischt, singt revolutionäre Lieder und Volksweisen auf Deutsch, Russisch und Slowenisch und erinnert symbolisch an den wechselvollen historischen Hintergrund dieser Touristenattraktion.

20.9., 19:30

Schloßbergplatz, Schloßbergstiege
8010 Graz

Google Maps

Dauer: 45 min.

Freier Eintritt

Konzept und Umsetzung: Roman Osminkin
Künstlerische Mitarbeit: Anastasia Vepreva
Text: Roman Osminkin nach D. A. Prigovs Umsturz. Ein Stück für zwei Lautsprecher
Übersetzung aus dem Russischen: David Riff

Erster Lautsprecher: Didi Bruckmayr
Zweiter Lautsprecher: Susanne Gschwendtner
Tonaufnahme: Laura Strobl
Tonmischung- und schnitt: Anastasia Vepreva
Mastering: Martin Siewert

Stanislaw Katz: Andri Schenardi 
Mitwirkende Chor: Zaid Alsalame, Torben Folger, Katharina Grilj, Bianca Hanžel, Heinrich Holzner, Maggie Midea, Yasmin Mowafek, Michaela Purgstaller, Clarissa Rêgo Teixeira, Cornelia Weixler
Mitwirkende Performance: Gregor Aistleitner, Adna Babahmetović, Giovanna Cassavia, Ema Drnda, Nera Džanić, Christa Ecker-Eckhofen, Clara Frühwirth, Daniela Gutmann, Julian Gypser, Philipp Kipke, Andrea Kurtz, Roja-Petra Orthaber, Vera Posch, Leonhard Rabensteiner, Izabella Radić, Felix Scheuer, Brigitta Wallgram
Choreografische Unterstützung: Samuel Kirschner
Probenleitung Chor: Clarissa Rêgo Teixeira

Der Performancetext beinhaltet Auszüge der folgenden Gedichte von Roman Osminkin:
Revolution (Übersetzung: Ian Dreiblatt)
and under stalin, the sun was warm (Übersetzung: Jon Platt)
You Know The Slavs And The Tatars (Chant In Imitation Of D.A. Prigov) (Übersetzung: Jon Platt)
Erschienen in Not A Word About Politics!, Cicada Press. New York, 2016
Übungen im „Uncreative Writing“ (Übersetzung: Günter Hirt und Sascha Wonders)
Erschienen in Schreibheft. Zeitschrift für Literatur, 90, Rigodon Verlag, Essen, 2018

Die Tonspur der Performance beinhaltet Auszüge der folgenden Musik:
Ballet Mecanique von George Antheil. Aufgeführt am 8. Mai 1989, The Japan American Theatre.
Bruder, es ist Zeit von Angelika Sacher und Klaus Bergmaier
Marsch der Antifaschisten von Die Grenzgänger
Yakety Sax von Boots Randolph
Ludwig van Beethoven – Symphonie № 9 in D-Moll Op. 125 von Franz Welser-Möst, Cleveland Orchestra. Live-Aufnahme, 2007

Roman Osminkin (1979, St. Petersburg) ist Dichter, Performer und Videokünstler. Indem er die Poesie über das beschriebene Blatt hinausgehen lässt, experimentiert er mit verschiedenen Medien, was er „poetischen Aktionismus“ nennt. Er bietet – ebenso berührende wie absurde – Reflexionen über Einsamkeit und Kollektivität in einer digitalisierten und zunehmend post-politischen Welt. Er lebt in St. Petersburg.

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