Programm ’18 / Volksfronten

Michael Zinganel & Michael Hieslmair

Schulausflug (2018)

Installation
Michael Zinganel & Michael Hieslmair, School Trip, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Liz Eve

Michael Zinganel & Michael Hieslmair, Schulausflug, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve

Michael Zinganel & Michael Hieslmair, School Trip, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Liz Eve
Michael Zinganel & Michael Hieslmair, Schulausflug, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve
Michael Zinganel & Michael Hieslmair, School Trip, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Liz Eve
Michael Zinganel & Michael Hieslmair, Schulausflug, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve
Michael Zinganel & Michael Hieslmair, School Trip, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Mathias Völzke
Michael Zinganel & Michael Hieslmair, Schulausflug, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Mathias Völzke
panoramic photo of Erzberg mine in Eisenerz, Styria, winter landscape, 1960. Photographer unknown. Source: OeNB

Panoramafoto der Erzbergmine in Eisenerz, Steiermark, Winterlandschaft, 1960. Fotograf*in unbekannt. Quelle: OeNB

Schulausflüge sind sanfte Methoden der Indoktrination. Erfüllt von Abenteuerlust und versehen mit einem Hauch von Freiheit, konstruieren und unterstreichen diese charakteristischen Ausflüge – in die Natur, zu Industriedenkmälern und historischen Stätten – lokale, regionale und nationale Identitäten und lassen sich dabei nur selten auf die dunklen Seiten der Geschichte ein. In Graz ist das nicht anders, wie die Künstler und Architekten Michael Zinganel und Michael Hieslmair mit ihrem Beitrag zum steirischen herbst zeigen. Ein adaptierter Anhänger, der zwischen den Autobussen am Grazer Busbahnhof abgestellt ist, wird zum Sammelgefäß widersprüchlicher Erfahrungsebenen und zur Metapher dafür, welches ideologische „Gepäck“ bei einem typischen Schulausflug mitgeführt wird. In diesem Anhänger befindet sich eine Forschungsinstallation in der Gestalt eines ausziehbaren Hängesystems, die eine kritische Kartografie eines Ausflugs zum Erzberg zeigt, zum größten Tagebau-Bergwerk in Mitteleuropa, das für seine terrassenförmige Anlage und die Bergbautätigkeit berühmt ist, die man dort jeden Tag beobachten kann. Entlang des Weges machen Zinganel und Hieslmair immer wieder halt: Vom Erzberg über die Stahlwerke in Donawitz bis zur ehemaligen Steyr-Puch Autofabrik im Süden von Graz zeigen sie Denkmäler der Modernisierung des Landes, die gerne als Ikonen des kleinen, geselligen und unschuldigen Wiederaufbaus der Republik Österreich präsentiert werden. Die steirische Industrie erlebte jedoch ihre Hochphase während Austrofaschismus und Nationalsozialismus, bei dem viele Zwangsarbeiter*innen zum Einsatz kamen und die beinahe ausschließlich militärischen Zwecken diente. Zinganel und Hieslmairs Forschungsinstallation untersucht diese düstere Historie mithilfe eines Arrangements von Bild- und Audiomaterialien und stellt damit die herkömmliche, beschauliche Darstellung der Stadt-Land-Differenz infrage. Sie zeigt die klare Verwertungskette von Energieproduktion über Bergbau, Stahlherstellung, Maschinenbau und wieder retour.

21.9.–14.10.

Andreas-Hofer-Platz
8010 Graz

Google Maps

Freier Eintritt

In Auftrag gegeben von steirischer herbst

Mit freundlicher Unterstützung von ÖBB-Postbus GmbH

Mitarbeit Recherche und Produktion: Robin Klengel, Adina Camhy

Michael Zinganel (1960, Bad Radkersburg, Österreich) ist Architekturtheoretiker, Kulturhistoriker, Kurator und Künstler. Seine Ausstellungen und Schriften widmen sich Stadtentwürfen und verschiedenen Formen der Mobilität, um Mythologien der Planung im Gegensatz zur Alltagserfahrung und den ihr zugrundeliegenden produktiven Kräften zu dekonstruieren. Er lebt in Wien. Michael Hieslmair (1974, Linz) ist Künstler und Architekt. Seit 2005 arbeitet er mit Zinganel in verschiedenen Projekten zusammen. Er lebt in Wien. 

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