Programm ’18 / Volksfronten

Martin Behr & Martin Osterider

Triester, 2003–
Installation
Martin Behr & Martin Osterider

Martin Behr & Martin Osterider, Foto aus der Serie Triester, 2003–. Courtesy die Künstler

Martin Behr & Martin Osterider
Martin Behr & Martin Osterider, Foto aus der Serie Triester, 2003–. Courtesy die Künstler
Martin Behr/Martin Osterider, from the series Triester, 2003–
Martin Behr & Martin Osterider, Foto aus der Serie Triester, 2003–. Courtesy die Künstler
Martin Behr/Martin Osterider, from the series Triester, 2003–
Martin Behr & Martin Osterider, Foto aus der Serie Triester, 2003–. Courtesy die Künstler

Der öffentliche Wohnungsbau sollte den Arbeitermassen würdige Lebensbedingungen und das Gefühl von Gemeinschaft bieten. Doch die harte Realität nach dem Niedergang der sozialistischen Wohnbaupolitik sieht anders aus: ihre kommunale Infrastruktur verkommt in den Augen der Medien oftmals zu einer Zone der urbanen Vernachlässigung, jedoch eine, die nichtsdestotrotz ein Eigenleben entwickelt. Dies gilt auch für die Triestersiedlung, eine der historischen kommunalen Wohnsiedlungen in Graz. Sie wurde in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren unter dem sozialdemokratischen Bürgermeister Vinzenz Muchitsch errichtet und ist eines der seltenen Beispiele für die Architektur des „Roten Graz“. Im Rahmen der nationalsozialistischen Stadtplanung wurden zwischen 1938 und 1941 weitere Gebäude von geringerer Qualität hinzugebaut. In deren unmittelbarer Nachbarschaft entstanden in den Jahren zwischen 1940 und 1943 zusätzlich Wohnungen für umgesiedelte Südsteirer und Südtiroler, die für ihren Verbleib im Reich „optiert“ hatten. Die Triestersiedlung steht im Zentrum eines langfristig angelegten Fotoprojekts der Grazer Künstler Martin Behr und Martin Osterider, die beide in diesem angeblich „härteren“ Stadtteil aufgewachsen sind. Regelmäßig gehen sie seit 2003 die Wege ab, die sie aus ihren Kindertagen von den Spaziergängen mit Verwandten kennen, und fotografieren dabei die Siedlung mit ihren heutigen Bewohner*innen, die sich ebenso aus Migrant*innen wie aus österreichischen Anhänger*innen der rechtspopulistischen FPÖ zusammensetzen. Der Blick ihrer fotografischen Arbeiten, die über ein Jahrzehnt hinweg entstanden und in einer limitierten Auflage bei Camera Austria erschienen sind, kehrt immer wieder aufs Neue an den selben Ort zurück. Anstatt nach dem einen authentischen Bild der Umgebung zu suchen, wenden sich die Künstler Details zu, die die verborgenen Kämpfe, die Trauer und die Idyllen, die fehl am Platze zu sein scheinen, enthüllen. Was hier in Erscheinung tritt, ist gespaltene Landschaft, die von ästhetischen und ökonomischen Frontlinien durchkreuzt wird. Sie sind es, die nun die offensichtlichen architektonischen und städtebaulichen Potenziale einer Gemeinschaft überschreiben, die noch ihrer Verwirklichung harrt. 

21.9.–14.10.

Kulturzentrum bei den Minoriten
Mariahilferplatz 3
8020 Graz

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Freier Eintritt mit
Festival-Pass

Martin Behr (1964, Graz) ist gelernter Kunsthistoriker und geht einer Vielzahl von Berufen nach: Er ist Journalist, Herausgeber, Kurator und Künstler sowie Mitglied der Künstlergruppe G.R.A.M.. Behr lebt in Graz. Martin Osterider (1964, Graz) ist bildender Künstler. Er beschäftigt sich mit den Potenzialen der Fotografie im Zeitalter des Postdigitalen. Osterider lebt in Wien.