Programm ’18 / Volksfronten

Irina Korina

Schnee von Gestern (2018)

Installation
Irina Korina
Irina Korina, Schnee von Gestern, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve
Irina Korina
Irina Korina, Schnee von Gestern, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve
Irina Korina
Irina Korina, Schnee von Gestern, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve
Irina Korina
Irina Korina, Schnee von Gestern, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve
Irina Korina
Irina Korina, Schnee von Gestern, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve
Irina Korina, research photo for Schnee von Gestern, 2018
Irina Korina, Recherchefoto für Schnee von Gestern, 2018, Foto: Irina Korina
Irina Korina, research photo for Schnee von Gestern, 2018
Irina Korina, Recherchefoto für Schnee von Gestern, 2018, Foto: Irina Korina

Peter Rosegger, ein aus der Steiermark stammender Dichter des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, mag vielleicht außerhalb von Österreich kein vertrauter Name sein, doch zu seiner Zeit erreichte er mit verkauften 14 Millionen Büchern einen beinahe ebenso großen Leserkreis wie Jules Verne. Seine Gedichte über die idyllische österreichische Waldheimat sind eine der Inspirationsquellen für die Installation der in Moskau lebenden Künstlerin Irina Korina, die man als Science-Fiction-Heimat-Installation beschreiben könnte. Ihre ambitionierten skulpturalen Arbeiten setzen sich häufig mit Plastikmaterialien und kitschigen Formen auseinander, ähnlich denen, die bei billigen, misslungenen Umbauarbeiten verwendet werden. Diese schlottrigen, undefinierten Formen „optimistischen“ Stiles sind monströse Klumpen mit trendigen Farben, die man sowohl in Restaurants als auch auf Friedhöfen vorfinden kann. Korina ist scharfe Beobachterin der Gesellschaft, die die Wunschvorstellungen des geschmeidig-glatten und funkelnden Kapitalismus von heute dokumentiert. Doch sie steht ihm nicht feindselig gegenüber, ja beweist sogar ein gewisses Mitgefühl. Ihre Installation in der Helmut List Halle erschafft eine Welt, die zwischen blinder Natur und rationaler Konstruktion liegt. Ausgehend von den weltweit herrschenden nationalistischen Neigungen, nimmt sie die patriotischen Tugenden verschiedener Tiere, Pflanzen und Bäume rühmend auf. Maiglöckchen, Kamille, Kornblume und Herbstlaub werden als Symbole der Heimat hochgehalten – grazile, wunderschöne und verletzliche Dinge –, während das klobige Zeug – dreckige Schneehaufen, volle Parkplätze und beachtliche Wälder unübersehbarer Werbung – der Wirklichkeit näher rückt. Das ungefähr ist die Gedankenfolge, die hinter Korinas Installation steckt. Aus dem schmelzenden Schnee ragen schon riesenhafte Weizengarben hervor, während noch die Birkenstümpfe flattern, wie lose Blätter im Wind. Vorgestern, gestern und morgen verlaufen ineinander in der treibhausartigen Blase, die dasteht wie eine auf den Kopf gestellte Pyramide und aussieht wie eine gigantische russische Pascha-Topfenspeise. Es ist eine seltsame Landschaft, ein aufblasbares Fegefeuer leerer Rhetorik, das nationale Identität naturalisiert. Eine maßgeschneiderte Attraktion, gleichermaßen kritisch und verführerisch; ideal für einen Sonntagnachmittag mit den Kindern.

21.9.–30.9.

Helmut List Halle
Waagner-Biro-Straße 98a
8020 Graz

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Freier Eintritt mit
Festival-Pass

In Auftrag gegeben und produziert von steirischer herbst

Mit freundlicher Unterstützung der Industriellenvereinigung Steiermark

Irina Korina (1977, Moskau) ist Installationskünstlerin mit einem Hintergrund im Bereich Bühnenbild. Ihre skulpturalen Formen und Umgebungen spiegeln die ideologische Kodierung des Materials in Zeiten des Übergangs wider. Sie lebt in Moskau.