Programm ’18 / Volksfronten

Henrike Naumann

Anschluss '90 (2018)
Installation
Henrike Naumann, Anschluss '90, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Mathias Völzke
Henrike Naumann, Anschluss '90, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Mathias Völzke
Henrike Naumann, Anschluss '90, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Mathias Völzke
Henrike Naumann, Anschluss '90, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Mathias Völzke
Henrike Naumann, Anschluss '90, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Mathias Völzke
Henrike Naumann, Anschluss '90, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Mathias Völzke
Henrike Naumann, Anschluss '90, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Mathias Völzke
Henrike Naumann, Anschluss '90, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Mathias Völzke
Henrike Naumann, Anschluss '90, 2018, installation, steirischer herbst, photo: Mathias Völzke
Henrike Naumann, Anschluss '90, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Mathias Völzke
Henrike Naumann, collage for Anschluss ‘90, 2018

Henrike Naumann, Collage für Anschluss ‘90, 2018. Foto: Inga Selck. Courtesy die Künstlerin & KOW Berlin

Wer hätte gedacht, dass sich die Dinge so schnell ändern würden? 1990 ereignete sich dann aber alles beinahe über Nacht. Aus dem Ruf „Wir sind das Volk“ wurde in einem Ausbruch von Nationalgefühl „Wir sind ein Volk“ – und die deutsche Wiedervereinigung plötzlich Wirklichkeit, so unwahrscheinlich dies auch noch wenige Monate zuvor erschienen sein mag. Mit ihrer neuen Installation für den steirischen herbst treibt die Künstlerin Henrike Naumann eine solche Unwahrscheinlichkeit weiter. Naumann, die im ostdeutschen Zwickau aufgewachsen ist, das als eine der Brutstätten der rechtsextremen Terrororganisation NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) gilt, malt sich ein alternatives Geschichtsszenario für die deutsche Wiedervereinigung aus, bei dem die Welle völkischen Zusammengehörigkeitsgefühls auf Österreich überschwappt und das Land sich schlagartig entscheidet, sich seinerseits dem nun wiedervereinten Deutschland anzuschließen. Ein solcher Neu-Anschluss fühlt sich ziemlich anders an als der von 1938 – keine endlosen Militäraufmärsche, sondern die Eröffnung immer neuer Möbelhäuser. Die Wiedervereinigung führt Österreicher und Ostdeutsche gemeinsam ungeahnten Möglichkeiten des Konsums zu! Das Grazer Haus der Architektur verwandelt sich durch Naumanns Installation zu einem Showroom für Möbel aus dem Jahr 1990. Das kitschige, postmoderne Design dieser Dekade ruft Erinnerungen an schnittige Autos hervor und bemüht eine schräge Vorstellung von Glamour. Es bringt die Besucher*innen zurück zu verdrängten ästhetischen Verirrungen und verschwiegenen Brüchen in der deutschösterreichischen Geschichte. Hedonistische Selbstoptimierung und rechtsradikale Politik verschlingen sich ineinander und wuchern zu ausgesprochen bösartigen Proportionen.

21.9.–14.10.

Haus der Architektur
Palais Thinnfeld
Mariahilferstraße 2
8020 Graz

Google Maps

Freier Eintritt mit
Festival-Pass

In Auftrag gegeben und produziert von steirischer herbst

Mit freundlicher Unterstützung von KOW, Berlin

Projektpartner: Haus der Architektur

Henrike Naumann (1984, Zwickau, Deutsche Demokratische Republik) ist eine Künstlerin, deren immersive Installationen Videos, Sound und szenografische Räume kombinieren, um die Ursprünge des Aufstiegs der deutschen Rechtsradikalen im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte zu erforschen. Sie lebt in Berlin. 

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