Programm ’18 / Volksfronten

Christoph Szalay

Heimat (2018)

Installation
Christoph Szalay

Christoph Szalay, Heimat, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve

Christoph Szalay, Heimat, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve
Christoph Szalay, Heimat, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve
Christoph Szalay
Christoph Szalay, Heimat, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve
Christoph Szalay, Heimat, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve
Christoph Szalay, Heimat, 2018, Installation, steirischer herbst, Foto: Liz Eve
Christoph Szalay, excerpt from RÆNDERN, unpublished manuscript, 2018

Christoph Szalay, Auszug aus RÆNDERN, unveröffentlichtes Manuskript, 2018

Home is where the heart is. So klingt sie, die absurd banale Grundaussage vieler kunstreich vorgetragener Lobgesänge auf den Begriff Heimat: sentimentale Kindheitserinnerungen aus einem unvergleichlichen Hinterhof, zusammengesetzt und aufgebaut in einer Sprache, die offensichtlich ist und zugleich ihrer Dekonstruktion gegenüber gleichgültig bleibt. In seinem Zyklus Heimat setzt der Dichter Christoph Szalay dieser Unanfechtbarkeit des Alltäglichen die Hassliebe des Dichters entgegen, der in einer Sprache zu Hause ist, deren notwendigerweise kosmopolitische Grenzen sich beständig verschieben. Seine visuelle Poesie, die anlässlich des steirischen herbst ausgestellt wird, zeigt einen Vergleich im Nebeneinander, was ein wenig an die Vergleichsstudien erinnert, wie sie für die Wiener Schule der Kunstgeschichte im frühen 20. Jahrhundert typisch waren, wo man etwa der nordischen Linienführung das südliche sfumato gegenüberstellte. Die linke Seite der Gedichte Szalays zeigt jeweils pseudo-poetische Definitionen von Heimat in Fragmenten und mit kleinen Notizen und Zeichnungen versehen, die einem Online-Video entnommen sind, das von der sogenannten Identitären Bewegung der Neuen Rechten produziert wurde. Die rechte Seite zeigt die unbehagliche Selbstlokalisierung des poetischen Bewusstseins: Der Dichter wohnt in poetischen Readymades, in Theoriefragmenten, etymologischen Überlegungen und metonymischen Ketten, wobei englische Fugen in den deutschen Text einbrechen, der selbst wiederum ständig am Rande der Implosion zu stehen scheint. Zwei Welten stoßen aufeinander, ihre Spannung bleibt unauflösbar. Für den steirischen herbst zeigt Christoph Szalay seine Gedichte im Kreuzgang des Grazer Minoritenklosters in Form einer Installation. Sie nutzt volkstümliche Stichtechniken, wie sie im ländlichen Österreich traditionell zur Vermittlung erbaulicher Botschaften gepflegt werden.

21.9.–14.10.

Kulturzentrum bei den Minoriten
Mariahilferplatz 3
8020 Graz

Google Maps

Freier Eintritt mit
Festival-Pass

In Auftrag gegeben und produziert von steirischer herbst

Auszüge aus Arbeiten und Texten von:
Isaiah Berlin, Mujeres Creando, Rosa Fischer, Charles Fréger, Phyllis Galembo/Chika Okeke-Agulu, Viktor Geramb, Bernhard Giesen/Kay Junge, Hermann Glaser, Kendrick Lamar, Thomas de Maizière, Agnieszka Polska, Bénédicte Savoy, Martin Sellner, Gayatri Chakravorty Spivak, Danh Vō, Paul Werner

Zeichnungen der Zäune: Bettina Landl

Christoph Szalay (1987, Graz) ist Dichter und war professioneller Skispringer und Langläufer. Seine Gedichte und Prosa verschieben die medialen Grenzen und wechseln auf das Feld visueller Poesie und Performancekunst über. Er lebt in Graz.